„Never Normal“: Wie sich der Finanzdienstleistungssektor auf die Zeit nach der Pandemie vorbereitet

Auf der Workday Industry Insights EMEA sprachen Experten, Kunden und Branchenkommentatoren darüber, wie Finanzdienstleister die Digitalisierung vorantreiben, um sich für eine von Veränderung und Unsicherheit geprägten Zukunft zu rüsten.

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Es ist noch zu früh, um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die verschiedenen Sektoren der Finanzdienstleistungsbranche vollständig bewerten zu können. Während die Corona-Maßnahmen in ganz Europa gelockert werden – wenn auch in unterschiedlichem Tempo –, stehen Finanzinstitute vor wichtigen Entscheidungen in Bezug auf den Arbeitsplatz der Zukunft. Neue Arbeitsmethoden und -orte müssen ebenso diskutiert werden wie die Zusammensetzung der Belegschaft. Auch müssen sich die Branchenakteure darüber informieren, mit welchen Systemen und Lösungen sie diese „neue Normalität“ in Angriff nehmen können, die von ständigen Veränderungen geprägt sein wird.

Lange bevor sich die Pandemie am Horizont abzeichnete, waren sich Analysten, Journalisten und Kommentatoren einig, dass die Finanzdienstleistungsbranche reif für den Umbruch war. Digitale Technologien versprachen einen revolutionären Wandel der Arbeitsweise in der Finanzdienstleistungsbranche, von der Digitalisierung und Automatisierung bis zum Erstarken der FinTech-Disruptoren.

Auf der Workday Industry Insights EMEA sprachen Experten, Kunden und Branchenkommentatoren darüber, wie die Pandemie eine explosive und anhaltende Beschleunigung der Digitalisierung in der Finanzdienstleistungsbranche ausgelöst hat.

„Für die digitale Transformation ist es entscheidend, eine flexible Lösung als Basis zu etablieren, die bei künftigen Veränderungen um separate Module und Prozesse ergänzt werden kann.“

Nick Hutton-Penman, Deputy CEO, Tokio Marine Kiln Group Ltd

Durch digitale Evolution am Puls der Zeit

Thomas Merry, Managing Director, Banking Strategy bei Accenture, hat bedeutende Wachstums-, Transformations- und Plattforminvestitionsprojekte für Finanzdienstleistungsunternehmen abgewickelt. Auf der Workday Industry Insights EMEA erläuterte er, warum Unternehmen in diesem Sektor bei der Digitalisierung aufs Gaspedal getreten sind und inwiefern sich ihre Strategie verändert hat.

„Vor fünf bis zehn Jahren setzte sich im Bankwesen die Erkenntnis durch, dass die digitale Transformation unumgänglich, aber schwer umzusetzen ist. Die Corona-Krise hat diese strategischen Überlegungen nicht völlig auf den Kopf gestellt, sondern sie noch bekräftigt und beschleunigt. In Bezug auf die Digitalisierungsstrategie haben sich für Versicherer, Banken und andere Akteure auf dem Kapitalmarkt weder die Argumente für die digitale Transformation noch die damit verknüpften Initiativen wesentlich geändert. Es geht vielmehr darum, wie sie von der digitalen Transformation profitieren können“, erklärte er.

Laut Viren Patel, Strategic Industry Advisor for Financial Services bei Workday, lenkte die Pandemie den Blick auf die Diskrepanz zwischen dem kundenorientierten Frontoffice, das bereits größtenteils digitalisiert ist, und dem Backoffice, wo die Transformation und Vernetzung der Systeme noch erhebliche Lücken aufweist.

„Bislang wurde massiv in kundenorientierte Technologien für das Frontoffice investiert, während im Backoffice immer noch veraltete Systeme und Datenmodelle zum Einsatz kommen. Der Lockdown führte den Finanzdienstleistern schlagartig die notwendige Digitalisierung des Backoffice vor Augen, um das Potenzial der unternehmensweiten Lösung effizienter nutzen und die entsprechenden Prozesse und zugrunde liegenden Daten miteinander verknüpfen zu können“, so Patel.

Merry von Accenture befasste sich eingehend mit dem beispiellosen Innovationsschub im Finanzdienstleistungssektor und wie Unternehmen die Vorteile der Digitalisierung für sich genutzt haben.

„Im Bereich Innovation und neue Arbeitsmodelle haben wir in einem Jahr eine Entwicklung durchlaufen, die unter normalen Bedingungen fünf Jahre gedauert hätte. Für die Führungskräfte unserer Finanzdienstleistungskunden kam es darauf an, nicht reflexartig in alte Arbeitsmuster zurückzufallen. Es gibt viele mögliche Antworten auf die Frage, wie das Unternehmen der Zukunft aussehen wird, doch eines ist klar: Die Auswahl im Technologiebereich ist riesig und diese Vielfalt wird Unternehmen die Entscheidung erleichtern, wie sie künftig arbeiten wollen.“

 

„Dies ist der aufregende Beginn einer von Veränderung geprägten Ära des „Never Normal“. Durch Technologie hat sich meines Erachtens das Spektrum der Möglichkeiten und Optionen wesentlich vergrößert. Die Unternehmen, die mit dem Wandel Schritt halten können und agilen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind, werden diese Evolution anführen.“

 

Thomas Merry, Managing Director, Banking Strategy, Accenture

Transformation während einer globalen Krise

Schon unter normalen Umständen ist die Entscheidung, die digitale Transformation zu beschleunigen, nicht unproblematisch. Dennoch sahen sich viele Finanzdienstleister während des Lockdowns zu einer 180-Grad-Wende gezwungen. In einer Podiumsdiskussion mit Claer Barrett, Redakteurin bei Financial Times Money, sprach Nick Hutton-Penman, Deputy CEO von Tokio Marine Kiln Group Ltd über die Notwendigkeit, die Transformation in seinem Unternehmen voranzutreiben, während die Mehrheit der Belegschaft auf Remote-Arbeit umgestiegen war.

„Wir hatten unsere Technologie seit 10 Jahren nicht mehr modernisiert, entsprechend veraltet war unsere Plattform. Der wichtigste Aspekt bei der Transformation unserer Betriebsabläufe waren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die meisten Prozesse in unserer Personalabteilung basierten auf Tabellen. Ob Urlaubsplanung, Krankmeldungen oder Onboarding – alles wurde in Spreadsheets verwaltet. Ursprünglich wollten wir nur die HR-Prozesse transformieren, sahen aber schnell die Vorteile einer Lösung, die Ausgaben und unser Hauptbuch an einem zentralen Ort zusammenführt“, so Hutton-Penman. 

„Wir wollten die gesamte Lösung innerhalb von sechs Monaten zum Einsatz bringen, doch dann kam die Pandemie. Ab 12. März waren alle Mitarbeiter im Homeoffice, daher musste das Deployment komplett remote durchgeführt werden. Letztendlich haben wir acht Monate gebraucht – ein immer noch beeindruckendes Ergebnis, das ohne das cloudbasierte Bereitstellungsmodell nicht möglich gewesen wäre.“

„Bislang wurde massiv in kundenorientierte Technologien für das Frontoffice investiert, während im Backoffice immer noch veraltete Systeme und Datenmodelle zum Einsatz kommen.“

Viren Patel, Strategic Industry Advisor for Financial Services, Workday

Joel Ripley, CFO von Schroders Personal Wealth, erlebte Ähnliches. Nach der Zusammenlegung verschiedener Teile des Vermögensverwaltungsgeschäfts benötigte das Unternehmen eine einheitliche Lösung für die Beschaffungs-, Finanz-, Finanzplanungs- und HR-Prozesse. Wie Ripley berichtete, konnte nicht einmal die Corona-Pandemie das Trading-Unternehmen daran hindern, Workday wie geplant in Betrieb zu nehmen.

„Die Geburtsstunde unseres Unternehmens fiel mit der Pandemie zusammen. Die vollständige Digitalisierung in sechs bis sieben Monaten war daher eine echte Herausforderung. Doch da die Technologie cloudbasiert ist, ging alles ziemlich schnell und reibungslos. Es gelang uns, die gesamte Implementierung während der Pandemie abzuschließen. Während dieser Zeit gab es kein einziges persönliches Treffen. Wir konnten den gesamten Prozess digital abwickeln. Das verdanken wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unserem Know-how in Kombination mit den Skills, die Workday eingebracht hat, sowie einem hervorragenden Integrationspartner“, bekräftigt Ripley.

Arbeitsalltag im „Never Normal“

Die Führungskräfte haben erkannt, dass digitale Lösungen unverzichtbar sind, um angesichts der neuen Herausforderungen fundierte Entscheidungen zu treffen, die Mehrwert generieren und das Wachstum fördern. Doch wie können sich Finanzdienstleister auf ein Geschäftsumfeld vorbereiten, das von Veränderung und Unsicherheit geprägt ist? Merry von Accenture weist darauf hin, dass es in dieser Ära des „Never Normal" in erster Linie darauf ankommt, offen für Veränderungen und auf Ausnahmesituationen vorbereitet zu sein.

„Technologie hat dem Finanzdienstleistungssektor ein breites Spektrum an Möglichkeiten eröffnet. Das ist wichtig, weil es immer wieder zu Umbrüchen kommen wird. Mir gefällt das Konzept, das Nassim Taleb in „Antifragile“ entwirft – die Idee eines Unternehmens, das gerade in stressigen Situationen oder unter unvorhersehbaren Umständen erfolgreich ist. Die Corona-Pandemie ist ein gutes Beispiel dafür“, so Merry. „Dies ist der aufregende Beginn einer von Veränderung geprägten Ära des „Never Normal“. Durch Technologie hat sich meines Erachtens das Spektrum der Möglichkeiten und Optionen wesentlich vergrößert. Die Unternehmen, die mit dem Wandel Schritt halten können und agilen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind, werden diese Evolution anführen.“

Ein treffendes Beispiel für dieses Maß an Agilität lieferte Ripley von Schroder, als er die Bedeutung von on demand verfügbaren Daten unterstrich, um spontan Entscheidungen zu treffen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

„Wir haben unter anderem dafür gesorgt, dass wir sehr schnell auf das sich ändernde Geschäftsumfeld reagieren können. Dabei sind wir einen Schritt weiter gegangen als traditionelle Finanzteams und verfügen nun über tagesaktuelle Finanzdaten. Konzepte wie Monatsabschlüsse, die vielen meiner Branchenkollegen bekannt sein dürften, existieren bei uns nicht. Nun erstellen wir jeden Tag einen Finanzabschluss und sind immer auf dem neuesten Stand. Wir haben Einblick in die Daten – sowohl was unsere finanzielle Performance angeht als auch die Vermögenswerte, die wir für unsere Kunden verwalten.“

Wie sich der Finanzdienstleistungssektor auf eine ungewisse Zukunft vorbereitet

Was die neue Normalität wirklich bedeutet, muss die Zukunft zeigen, doch der dringende Bedarf an digitalen Technologien im Finanzsektor lässt sich nicht bestreiten. Vor diesem Hintergrund erläuterte Patel von Workday, warum Finanzinstitute auf flexible Lösungen angewiesen sind, mit denen sie den dynamischen Kundenanforderungen gerecht werden.

„Sie benötigen eine Lösung, mit der Sie schnell reagieren, agil handeln und Ihre Resilienz angesichts der zahlreichen Veränderungen in der Branche stärken können. Im Finanzsektor sind das beispielsweise neue aufsichtsbehördliche Vorschriften. Oder neue Disruptoren. Daher ist die Möglichkeit entscheidend, bei Marktveränderungen mit einem flexiblen Datenmodell neue Kennzahlen zu integrieren und neue Dimensionen hinzuzufügen. Technologie sollte all das leisten – nicht nur in Bezug auf Ihre aktuellen Anforderungen, sondern auch mit Blick auf die Zukunft“, so sein Fazit.

Daten sind für die meisten Finanzdienstleister wichtig, doch steht heute noch stärker die Frage im Vordergrund, wie Unternehmen diese Daten nutzen. Ripley, Finanzleiter bei Schroder, weist darauf hin, dass Unternehmen als Vorbereitung auf unsichere Zeiten mittels Daten Narrative etablieren und visualisieren können, sodass sich rasch handlungsorientierte Erkenntnisse daraus ableiten lassen..

„Analysen sind enorm wichtig, um verschiedene externe Informationsquellen in Workday zusammenzuführen und so zu integrieren, dass eine kohärente und stimmige Datenbasis für die Entscheidungsfindung entsteht. Diese ist angesichts des raschen Wandels unverzichtbar. Mithilfe der Datenbasis haben wir dann Dashboards erstellt und die Daten visualisiert. Die Wirkung eines visuellen Dashboards auf wichtige Stakeholder ist nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus verschafft hat es uns unmittelbare Einblicke in unsere Unternehmensdaten“, so Ripley.

Das abschließende Wort hat Hutton-Penman, Deputy CEO von Tokio Marine Kiln Group Ltd, mit einer Erläuterung zur Bedeutung von Backoffice-Systemen, die durch ihre Flexibilität der Dynamik des Wandels gewachsen sind.

„Anpassungsfähigkeit ist wirklich essenziell, denn alle Finanzdienstleister müssen gegenwärtig in kürzester Zeit ein massives Pensum an Änderungen bewältigen. Für die digitale Transformation ist es entscheidend, eine flexible Lösung als Basis zu etablieren, die bei künftigen Veränderungen um separate Module und Prozesse ergänzt werden kann.“

Erfahren Sie, wie Finanzdienstleister ihre Transformation zum digitalen Unternehmen beschleunigt haben.

Veröffentlicht in:  Finanzwesen,
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