Die KI im Realitätscheck. Trends 2026
Führungskräfte, Expertinnen und Experten von Workday gehen davon aus, dass 2026 die Phase des Experimentierens endet. Ab dann muss KI messbare Ergebnisse liefern.
Führungskräfte, Expertinnen und Experten von Workday gehen davon aus, dass 2026 die Phase des Experimentierens endet. Ab dann muss KI messbare Ergebnisse liefern.
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In den vergangenen Jahren wirkte künstliche Intelligenz wie ein Spektakel. Sie schrieb Gedichte, erzeugte Bilder und beantwortete Fragen mit verblüffender Sprachgewandtheit. Beeindruckend. Für viele Führungskräfte in Unternehmen jedoch oft eher Randerscheinung als strategischer Faktor.
Damit ist es im Jahr 2026 vorbei. Der Neuheitswert verblasst, und etwas Entscheidenderes rückt in den Mittelpunkt: Ergebnisse. KI ist jetzt eben nicht mehr Nebenprojekt oder Experiment mehr. Sie verankert sich im Kern dessen, wie Unternehmen arbeiten, Entscheidungen treffen und wachsen.
Forrester bringt diesen Moment auf den Punkt und prognostiziert, dass KI 2026 „unweigerlich ihren Glanz verliert und die Krone gegen einen Schutzhelm eintauscht“. Der Übergang von der Möglichkeit zur praktischen Umsetzung markiert eine neue Phase der Unternehmens-KI. Eine Phase, in der es um Wirkung, Vertrauen und menschliches Urteilsvermögen geht.
Die folgenden Prognosen und Trends prägen diesen Übergang. Und sie zeigen, was sie für Führungskräfte bedeuten, die KI-Ambitionen in messbaren Geschäftserfolg übersetzen wollen.
Bis vor Kurzem war KI in Unternehmen überwiegend reaktiv. Obwohl KI Agenten seit rund einem Jahr die Schlagzeilen bestimmen, steht ihre tatsächliche Nutzung nun vor einem grundlegenden Wandel.
Agentische KI verlässt die Theorie und wird zur Praxis. Diese Systeme planen, schlussfolgern und führen mehrstufige Aufgaben mit minimalem menschlichem Eingriff aus. Deloitte schätzt, dass der weltweite Markt für agentische KI bis 2030 ein Volumen von 45 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Die Einführung beschleunigt sich in Finanzfunktionen, HR, IT und operativen Bereichen.
Für Führungskräfte liegt die Chance klar auf der Hand. Agenten können komplexe Workflows End-to-End übernehmen und Teams Freiräume für wertschöpfendere Aufgaben verschaffen. Doch ebenso real ist das Risiko. Wenn Unternehmen Agenten von unterschiedlichen Anbietern einkaufen, drohen fragmentierte, kaum steuerbare Ökosysteme.
Matt Brandt, Senior Vice President Global Partners bei Workday, betont, dass Erfolg von Kuratierung abhängt, nicht von bloßer Anhäufung. Seiner Einschätzung nach „wird der Erfolg eines Ökosystems nicht von der Anzahl der Partner bestimmt, sondern von der Fähigkeit des Kernanbieters, als strategischer Kurator zu agieren und weltweit nahtlose, KI-gestützte Kundenerlebnisse zu ermöglichen“.
Unternehmen werden sogenannte Agentlakes aufbauen müssen. Strukturierte Umgebungen, in denen Agenten unternehmensweit gesteuert, überwacht und orchestriert werden. Wer das beherrscht, schafft die Grundlage dafür, dass Agenten zuverlässig, koordiniert und verantwortungsvoll zusammenarbeiten.
Was das für Führungskräfte bedeutet: Die Agentenstrategie ist heute eine architektonische Entscheidung, keine Tool-Frage. Orchestrierung, Governance und klare Verantwortlichkeiten müssen von Beginn an mitgedacht werden.
Mitarbeitende stehen künftig in der Verantwortung, KI kompetent und wirksam einzusetzen.
In den vergangenen Jahren wurde der Erfolg von KI vor allem gezählt. Wie viele E-Mails. Wie viele Berichte. Wie viel Output. 2026 verliert diese Logik ihre Relevanz.
Der Fokus verschiebt sich auf Qualität. Auf Kontrolle. Auf Verantwortung. Generischer, ungeprüfter KI-Output, sogenannter Workslop, ist kein kleines Ärgernis mehr. Er wird zum echten Risiko für Unternehmen. Strategisch, rechtlich, kulturell.
Chris Ernst, Chief Learning Officer bei Workday, bringt es klar auf den Punkt. Mitarbeitende werden künftig daran gemessen, wie gut sie KI einsetzen.
Er geht noch weiter. Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, ein überzeugendes Bild davon zu entwickeln, welchen Beitrag KI leisten soll. Nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern zum Wachstum. Für das Unternehmen und für die Menschen, die dort arbeiten.Diese Verschiebung bleibt nicht folgenlos. Sie verändert Strukturen. PwC beschreibt sie als Sanduhr-Modell der Belegschaft.
Wenn Informationen im Überfluss verfügbar sind, verschiebt sich menschliche Arbeit. 2026 geht es weniger um das Erzeugen von Inhalten. Es geht um Einordnung, Prüfung und Auswahl.
Für Unternehmensleitungen ist die Konsequenz eindeutig. KI-Kompetenz ist Grundvoraussetzung. Qualitätssicherung und Verantwortung müssen Teil von Rollen, Anreizen und Leistungsbewertung sein.
Lange Zeit galt Wissen als zentrale Währung im Beruf. Heute ist Wissen überall verfügbar. KI hat es entgrenzt. Damit verändert sich, was als Expertise zählt.
Ashley Goldsmith, Chief People Officer bei Workday, formuliert es nüchtern. Der Wert menschlicher Arbeit liegt künftig nicht im Wissen selbst, sondern in der Fähigkeit, es sinnvoll anzuwenden.
Unternehmen müssen genau dort ansetzen. Bei Urteilsfähigkeit. Bei Neugier. Bei der Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen und Entscheidungen bewusst zu treffen. So bleibt Verantwortung beim Menschen, auch wenn KI beteiligt ist.
Weisheit ist der Teil, den Technologie nicht ersetzt.
Daraus entsteht eine neue Spaltung am Arbeitsmarkt. Nicht zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern. Sondern zwischen Menschen, die mit KI arbeiten können, und jenen, die ihr ausweichen.
Für Führungskräfte heißt das: Talentstrategien müssen neu gedacht werden. Einstellung, Entwicklung und Karrierepfade sollten jene stärken, die mit KI umgehen, sie einordnen und nutzen können.
Geschwindigkeit war lange das große Versprechen von KI. Schnellere Analysen. Schnellere Prozesse. Schnellere Entscheidungen. Doch Tempo allein reicht nicht.
Aashna Kircher, Group General Manager oCHRO bei Workday, sieht darin eine der zentralen Herausforderungen. Entscheidend ist nicht, wie schnell Systeme arbeiten. Entscheidend ist, wie gut Führungskräfte ihre Ergebnisse hinterfragen.
2026 wird Vertrauen zur Führungsaufgabe. Nicht als formale Vorgabe, sondern im Alltag. Zwischen Empfehlung und Entscheidung braucht es Raum zum Prüfen, Nachfragen und Stoppen. Gerade dann, wenn KI besonders selbstsicher wirkt.
PwC beobachtet, dass verantwortungsvolle KI langsam Realität wird. Unternehmen investieren in Systeme, die Fairness, Sicherheit und Verlässlichkeit tatsächlich testen.
Für Unternehmensleitungen ist das keine ethische Randfrage. Vertrauen wirkt sich direkt auf Stabilität, Tempo und wirtschaftlichen Erfolg aus. Wer es ernst nimmt, kommt weiter.
Der entscheidende Unterschied in den kommenden Jahren liegt darin, wie reflektiert Führungskräfte Technologie hinterfragen.
Aashna Kircher
Group General Manager for the oCHRO, Workday
Jede KI-Interaktion hat eine materielle Grundlage. Rechenleistung.
Deloitte geht davon aus, dass bis 2026 rund zwei Drittel des gesamten KI-Rechenbedarfs auf Inferenz entfallen. Gemeint ist das Ausführen von Modellen in Echtzeit. Der Großteil davon findet in energieintensiven Rechenzentren statt, betrieben mit spezialisierten Chips.
Das erzeugt Spannungen. Und eröffnet Spielräume. KI treibt den Energieverbrauch nach oben. Gleichzeitig kann sie helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Ressourcen zu schonen und Nachhaltigkeitsziele messbar zu verbessern. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird.
KI wirkt unterstützend oder belastend. Die Differenz entsteht durch Anspruch und Umsetzung.
Für Unternehmensleitungen heißt das. Infrastrukturentscheidungen sind Nachhaltigkeitsentscheidungen. KI-Strategien müssen Kosten, Energiebedarf und langfristige operative Effizienz mitdenken.
Über Jahrzehnte haben Unternehmensanwendungen Mitarbeitende darauf trainiert, sich durch Dashboards, Menüs und Filter zu klicken. Dieses Modell verliert rapide an Bedeutung. Deloitte erwartet, dass die tägliche Nutzung KI-gestützter Suche bis 2026 dreimal so hoch sein wird wie der Einsatz eigenständiger KI-Tools. Daten werden nicht mehr gesucht. Sie werden abgefragt. Damit verändert sich der Zugang zu organisationalem Wissen grundlegend. Schnittstellen entwickeln sich von Klicklogik zu Dialog. Erkenntnisse erscheinen direkt, kontextbezogen und verständlich formuliert.
Für Unternehmensleitungen ist klar. Die Oberfläche der Arbeit wandelt sich. Produktivität entsteht dort, wo Systeme Einsichten liefern, nicht nur Daten.
Weiterbildung war lange etwas, das außerhalb der eigentlichen Arbeit stattfand. Diese Trennung löst sich auf. Workday erwartet ein Jahr des erfahrungsbasierten Lernens. KI macht alltägliche Aufgaben zu Lernmomenten. Ein Finanzreport zeigt nicht nur Zahlen. Er erklärt Zusammenhänge, ordnet Bedeutung ein und weist auf nächste Entwicklungsschritte hin.Arbeit wird zum Lernraum.
Für Unternehmensleitungen bedeutet das. Lernstrategien gehören in die Workflows. Erfolgreiche Organisationen verstehen Entwicklung als kontinuierlich, kontextnah und fest in die Arbeit eingebettet.
Erfolgreich sind jene Organisationen, die KI gezielt einsetzen, um menschliche Stärken wirksam zu verstärken.
Carrie Varoquiers
Chief Impact Officer, Workday
Mit steigenden KI-Investitionen wächst der finanzielle Anspruch. Forrester erwartet, dass CFOs eine Schlüsselrolle bei KI-Entscheidungen übernehmen, weil auf den Hype konkrete Fragen nach dem Return folgen. Bis zu 25 Prozent der geplanten KI-Ausgaben könnten von Unternehmen auf 2027 verschoben werden.
Das signalisiert keine Abkehr. Es zeigt Präzisierung. Kapital fließt weg von auffälligen Experimenten und hin zu Initiativen mit nachweisbarem Mehrwert.
Für Unternehmensleitungen ergibt sich daraus eine klare Logik. KI wird wie jede andere strategische Investition bewertet. Nach Wirkung, Verantwortung und langfristigem Ertrag.
Die Botschaft für 2026 ist eindeutig. Die Phase des Testens endet. Umsetzung wird zum Maßstab.
Carrie Varoquiers, Chief Impact Officer bei Workday, beobachtet dabei eine Verschiebung im Verständnis von ROI. Menschliche Verbindung entwickelt sich von einer weichen Fähigkeit zu einer zentralen Kennzahl erfolgreicher KI-Nutzung.
Sie betont, dass Organisationen dann erfolgreich sind, wenn sie KI gezielt einsetzen, um menschliche Stärken zu verstärken. Dazu zählen Empathie, kritisches Denken und inklusive Führung. Diese Fähigkeiten helfen Teams, sich im KI-Zeitalter zu orientieren und Vertrauen aufzubauen. Sie zeigen Mitarbeitenden, dass Technologie Chancen eröffnet, statt Zusammenarbeit und Innovationskraft zu verdichten oder zu verengen.
Erfolgreiche Unternehmen werden nicht durch mehr Agenten oder größere Budgets definiert. Ausschlaggebend ist, wie bewusst KI genutzt wird, um das zu stärken, was Menschen unersetzlich macht. Urteilsfähigkeit. Kreativität. Verantwortung.
Im Jahr 2026 liegt die eigentliche Arbeit mit KI nicht im Technischen. Sie liegt im Menschlichen. Und genau dort eröffnet sie ihr größtes Potenzial.
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