Vertrauen ist das neue Kapital
Vertrauen ist das neue Kapital. Warum KI erst mit Governance Wert schafft
Vertrauen ist das neue Kapital. Warum KI erst mit Governance Wert schafft
Zu Beginn einer neuen Technologiewelle entscheidet die Leistungsfähigkeit darüber, wo Wertschöpfung entsteht. Wer bessere Modelle baut, schneller skaliert und größere Datenmengen kontrolliert, verschafft sich einen Vorsprung. Dieses Prinzip hat die Plattformökonomie geprägt und über Jahre hinweg getragen.
Die entstehende KI-Ökonomie folgte lange diesem vertrauten Pfad. Solange Systeme Daten analysierten, sortierten und Empfehlungen aussprachen, genügten technologische Stärke und Geschwindigkeit. In dem Moment jedoch, in dem KI nicht mehr nur vorbereitet, sondern Entscheidungen mit rechtlichen, finanziellen oder personellen Folgen trifft, reichen Schnelligkeit und Größe nicht mehr aus. Mit wachsender Rechenleistung muss auch das Vertrauen in die Technologie wachsen. Davon hängt ab, ob Menschen bereit sind, dauerhaft und verlässlich mit Künstlicher Intelligenz zusammenzuarbeiten.
Eine klare Mehrheit der Menschen in Europa begegnet KI am Arbeitsplatz mit Wohlwollen. Viele verbinden mit ihr die Hoffnung auf spürbare Produktivitätsgewinne. Diese Offenheit hat jedoch klare Grenzen. In dem Moment, in dem Verantwortung tatsächlich aus der Hand gegeben werden soll, verwandelt sich Zustimmung in Vorsicht. Besonders deutlich wird das dort, wo Entscheidungen tief in individuelle Lebensläufe eingreifen, etwa im Personalbereich. Viele Unternehmen nutzen KI bereits für Vorauswahl, Matching oder Empfehlungssysteme.
Akzeptanz und Vertrauen werden im Umgang mit KI oft in einem Atemzug genannt, stehen aber für unterschiedliche Haltungen. Akzeptanz zeigt sich dort, wo neue Systeme zugelassen und ausprobiert werden. Vertrauen reicht tiefer. Es beginnt in dem Moment, in dem KI wirklich an Entscheidungen partizipiert und konsistent im Alltag genutzt wird. An diesem Übergang entscheidet sich, ob Unternehmen KI gewinnbringend einsetzen können.
Wer im Vorstand sitzt, erkennt den feinen Unterschied zwischen Akzeptanz und Vertrauen an Reibungspunkten im geschäftlichen Alltag. Er wird spürbar, wenn Initiativen mit Künstlicher Intelligenz nach Testläufen versanden. Wenn Geschäftsbereiche Interesse an KI-Anwendungsfällen signalisieren und dennoch zögern, Verantwortung zu übernehmen. Wenn Mitarbeitende neue Tools ausprobieren, sie jedoch nicht in ihre Routinen überführen. Wenn Kunden Offenheit für digitale Services zeigen und Zustimmung verweigern, sobald Systeme eigenständig entscheiden sollen. Das hat spürbare Folgen für den Geschäftserfolg.
Laut dem State of AI 2025-Report von McKinsey geben global viele Unternehmen an, KI einzusetzen, doch der messbare wirtschaftliche Nutzen bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Nur ein Teil der KI-Projekte zeigt deutliche Effekte.
Der technologische Fortschritt ist in vielen Unternehmen weiter als sein betriebswirtschaftlicher Ertrag. KI ist vorhanden, wird getestet und läuft irgendwie mit, doch der Sprung ins Kerngeschäft bleibt aus. Wert entsteht jedoch erst dort, wo Systeme auch organisatorisch verankert sind, mit klaren Zuständigkeiten und verbindlichen Entscheidungen. Ohne diese Verlässlichkeit bleibt selbst leistungsfähige KI weit hinter ihren Möglichkeiten.
In reifen Organisationen setzen 57 Prozent der Geschäftsbereiche KI produktiv ein. Dort, wo diese Reife fehlt, sind es 14 Prozent.
Ob neue Technologien tatsächlich eingebunden oder ausgesperrt werden, entscheidet sich am KI-Reifegrad eines Unternehmens. Gemeint ist dabei nicht die Zahl verfügbarer Anwendungen oder die Leistungsfähigkeit der Modelle, sondern die Qualität der Governance, jenes Ordnungsrahmens, innerhalb dessen Künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Er zeigt sich in der Verteilung von Verantwortung, in nachvollziehbaren Entscheidungen und im Umgang mit Risiken. Zuständigkeiten sind klar geregelt, Datenflüsse belastbar, Ergebnisse überprüfbar. Erst unter diesen Bedingungen kann Vertrauen entstehen. Bleibt der Rahmen unscharf, bleibt auch der Einsatz von KI episodisch. Systeme liefern dann Resultate, ohne Verlässlichkeit für Mitarbeitende, Kunden oder Aufsichtsbehörden zu schaffen.
Gartner-Zahlen machen diesen Unterschied greifbar. Organisationen mit hoher KI-Reife bringen neue Anwendungen deutlich häufiger in den Arbeitsalltag als Unternehmen mit niedrigem Reifegrad. In reifen Organisationen setzen 57 Prozent der Geschäftsbereiche KI produktiv ein. Dort, wo diese Reife fehlt, sind es 14 Prozent. Erst wenn Prozesse überprüfbar sind und Governance greift, entfalten Investitionen ihre Wirkung. Zugleich entsteht die Fähigkeit, Risiken früh zu erkennen und zu steuern.
Doch gerade im Umgang mit bekannten Risiken zeigt sich ein Muster. Viele Unternehmen kennen die Schwachstellen. Rund 40 Prozent nennen einer Studie von McKinsey zufolge mangelnde Erklärbarkeit als zentrales Problem, also die Schwierigkeit, Entscheidungen von KI-Systemen nachvollziehbar zu machen und zu verantworten. Doch dieses Wissen bleibt häufig folgenlos. Nur 17 Prozent investieren gezielt in Strukturen und Verfahren, um genau dieses Defizit zu beheben.
So entsteht mit der Vertrauensschuld eine Form von Verbindlichkeit, die sich jeder klassischen Optimierungslogik entzieht. Sie wächst dort, wo Organisationen schneller automatisieren, als sie erklären können, und Verantwortung abgeben, noch bevor Zuständigkeiten geklärt sind. In keiner Bilanz taucht sie als Kennzahl auf. Spürbar wird sie erst in dem Moment, in dem der praktische Einsatz deutlich hinter den strategischen Erwartungen zurückbleibt.
Erklärbarkeit und Governance entscheiden darüber, wie viel Verantwortung Unternehmen ihren KI-Systemen wirklich anvertrauen. An Einsicht mangelt es dabei nicht: Transparente Entscheidungswege und wirksame Kontrollmechanismen gelten längst als unverzichtbar. Doch der Anspruch endet oft dort, wo die tägliche Praxis beginnt. Zurückhaltung in der Umsetzung führt selten zu spektakulären Fehltritten. Häufiger sind es leise Verluste, die sich erst bemerkbar machen, wenn der Schaden längst entstanden ist.
Europa beantwortet die Vertrauensfrage mit einem institutionellen Rahmen, der technologische Offenheit an Bedingungen knüpft. Oft wird dieser Ansatz auf Regulierung verkürzt. Tatsächlich reicht er weiter. Der europäische KI-Rechtsrahmen ist sogar bewusst risikobasiert angelegt. Er ordnet den Einsatz von KI entlang der Frage, wo Risiken entstehen und wie Verantwortung abgesichert werden kann. Entscheidungen sollen nachvollziehbar bleiben, Datenflüsse überprüfbar, Zuständigkeiten klar. Darin liegt eine strategische Setzung. Europa versteht Vertrauen als ökonomische Voraussetzung und überführt einen institutionellen Wert, der über Jahrzehnte gewachsen ist, in die Logik digitaler Wettbewerbsfähigkeit.
Der EU AI Act verankert Vertrauen fest im laufenden Betrieb. Die Pflicht, KI-Interaktionen oder synthetische Inhalte kenntlich zu machen, greift tief in Produkte, Prozesse und Nutzererfahrungen ein. Für Unternehmen verschiebt sich damit der Maßstab, an dem sie gemessen werden. Transparenz gehört nicht mehr zur Kommunikation, sondern zur Bauweise der Systeme. Vorgaben zu Trainingsdaten, Modellen, Risikomanagement und menschlicher Aufsicht machen den Anspruch auf vertrauenswürdige KI über den gesamten Lebenszyklus eines Systems hinweg überprüfbar.
Vertrauen entsteht in der Praxis.
Es bildet sich im täglichen Umgang mit Fehlern, bei Korrekturen und in den Momenten, in denen Systeme an ihre Grenzen geraten. In solchen Umgebungen arbeitet KI leiser, aber zuverlässiger. Genau daraus erwächst ihre wirtschaftliche Wirkung.
Damit verändert sich auch die Bedeutung von Compliance. Sie markiert nicht länger das Ende einer Entwicklung, sondern deren Ausgangspunkt. Wer regulatorische Anforderungen früh in Architektur, Datenhaltung und Entscheidungslogik einarbeitet, schafft Spielräume statt Einschränkungen. In diesem Verständnis wird Compliance zu einer produktiven Kraft. Sie entscheidet darüber, ob KI-Systeme nicht nur zulässig sind, sondern tragfähig, skalierbar und dauerhaft anschlussfähig an Arbeitsumfelder, Märkte und gesellschaftliche Erwartungen.
Künstliche Intelligenz entfaltet ihr Potenzial nicht von selbst. Sie zeigt es dort, wo technologische Kompetenz auf verantwortliches Handeln trifft. Und wo Unternehmen bereit sind, die ethische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung für jene Entscheidungen zu übernehmen, die ihre KI-Systeme in ihrem Namen treffen.
Vertrauen bestimmt, welche Systeme skaliert werden dürfen, wo Autonomie zugelassen wird und wie viel Entscheidungsmacht Maschinen tatsächlich erhalten. Unternehmen, die diese Frage früh klären, lernen schneller, wachsen stabiler und kommen besser durch Krisen, weil ihre Systeme erklärbar, überprüfbar und korrigierbar bleiben.
Der Wettbewerbsvorteil der kommenden Jahre entsteht aus der Fähigkeit, KI so einzusetzen, dass sie Vertrauen verdient. Wer diese Fähigkeit entwickelt, verfügt über eine neue Form von Kapital. Wer sie unterschätzt, wird erleben, dass selbst die leistungsfähigste Technologie ihr Versprechen nicht einlösen kann.
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