CFO Talks mit Deloitte: Die 3 Trends der Finanztransformation – von Kennzahlen, regionalen Hubs und digitalen Investitionen

Die Prioritäten im Finanzwesen haben sich verschoben: Digitale Transformation, Errichtung regionaler Hubs statt globaler Shared Services und darüber hinaus neue Qualitätsanforderungen an Business Partner stehen im Fokus – so die Analyse vom Deloitte-Experten Alexander Rauchstaedt im Gespräch mit Frank Mens, Director Financial Management, Workday.

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Wenn in Pandemiezeiten Hunderttausende Konsumgüter geliefert werden – die Warenflüsse also noch funktionieren –, aber kaum Möglichkeiten bestehen, diese abzusetzen, dann ist lagern oder entsorgen kaum eine effiziente Lösung. Es braucht eine strategische Lösung, die wiederum einen ‚mündigen‘ Finance Business Partner erfordert. An nur diesem einen Beispiel von Alexander Rauchstaedt, Senior Manager Enterprise Performance bei Deloitte, wird deutlich: In den Finanzabteilungen der Unternehmen verändert sich einiges.

Die volatile Wirtschaftssituation im vergangenen Jahr, gefolgt von der aktuellen Aufbruchsstimmung, hat vieles in Richtung Finanztransformation beschleunigt, manches wurde auch zurückgeworfen. Wie sehen die deutschen CFOs die Lage? Dazu hat Deloitte mit dem aktuellen „CFO Survey Frühjahr 2021“ unter anderem die Maßnahmen der Unternehmen für die Erholungsphase nach der COVID-19-Krise untersucht.

Während des CFO Talks von Workday im Juni 2021 erläuterte Rauchstaedt, dass – abgesehen von Unterschieden in den Branchen und den Reifegraden der Unternehmen – drei große Themen das Finanzwesen bewegen:

Trend 1: Kennzahlen in Echtzeit

Mit den Herausforderungen der Pandemie sind Kennzahlen in den Fokus gerückt. Relevant sind dabei betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, d.h. Finanzindikatoren im Kontext zu den internationalen Warenflüssen. „Der Druck auf bestimmte Kennzahlen innerhalb der Supply Chain und des Cashflows ist gestiegen – es gibt einen deutlichen Trend hin zum Cashflow-Reporting, was durch moderne Technologie nahezu in Echtzeit möglich ist. Wir hatten Kunden, die sich täglich ihre Bilanz angesehen haben“, erklärt Rauchstaedt aus der Projektpraxis. Damit steigt der Anspruch an die Buchhaltung und ihre technischen Mittel.

Trend 2: Regionale Accounting Hubs 

Der bisherige Ansatz, im Accounting auf globale Shared Service Center zu setzen, weicht dem Trend hin zum Aufbau regionaler Hubs, die mehrere Länder betreuen. „Das hat zum einen mit Risikovorsorge zu tun, zum anderen sind manche Anforderungen nicht an einem Ort zu bündeln“, sagt Rauchstaedt. „Viele Jahre unterlag das Finanzwesen vor allem einem Effizienzdruck. Heute – nicht zuletzt nach der Erfahrung mit der Pandemie – geht es viel mehr um Qualität und Transparenz.“ In diesem Zuge steigen die Anforderungen an Finance Business Partnering. „Unternehmen brauchen mündige Business Partner für strategische Entscheidungen am runden Tisch“, betont Rauchstaedt mit Blick auf das eingangs genannte Konsumgüter-Beispiel. 

Trend 3: Investitionen in Digitalisierung

Der Investitionsstau wird von den meisten Unternehmen noch im aktuell laufenden Jahr aufgelöst. „Viel fließt in Digitalisierung, aber auch in Maschinen und Anlagen, um die eigene Unternehmensentwicklung voranzutreiben und bereits in 2021 ein ‚back-to-normal‘ zu erreichen, was die finanzielle Performance betrifft – und dies spiegelt sich im Investitionsverhalten wider“, so Rauchstaedt. 

Erfolgsfaktoren: Technologie und echte Business Partner 

Diese Trends zeigen sich auch bei den nachgefragten Consulting-Leistungen. Gesucht sind ‚echte‘ Business Partner für die nötige Transformation im Finanzwesen. Dabei ist klar: „Ohne die richtige Technologie ist das undenkbar. Vor allem wenn es darum geht, mit einer regionalen Hub-Struktur schlanke Prozesse aufzubauen und effiziente Services zu liefern“, erklärt Rauchstaedt. „Das Finanzwesen darf nicht der Flaschenhals sein. Die üblichen Verdichtungsprozesse in der Unternehmenszentrale aufsetzend auf Daten aus globalen Shared Service Center brauchen oftmals zu viel Zeit und Geld.“

„Eine Transformation im Finanzwesen ist ohne die richtige Technologie nicht denkbar.”

Alexander Rauchstaedt Alexander Rauchstaedt Senior Manager Enterprise Performance, Deloitte

Automatisierung für rollierende Planung

Generell betont Rauchstaedt: „Technologie als Grundlage ist wesentlich, um im Zuge einer Transformation Daten und damit Entscheidungsqualitäten zu gewinnen. Dies muss verbunden werden mit dem nötigen ‚Enablement‘ der Anwender und idealerweise einer gemeinsamen Prozessgestaltung.“ Damit wird auch der Weg bereitet, durch Automatisierung beispielsweise rollierend zu planen und jederzeit Forecasts zu erstellen – eine Anforderung, die sich laut Rauchstaedt mehr und mehr gerade bei vielen kleineren und Familien-orientierten Konzernen durchsetzt.

In diesem Zusammenhang diskutierte Rauchstaedt auch die Themen ‚Analytics‘ bzw. ‚Machine Learning‘. Das Zusammenspiel an verfügbaren Daten in der nötigen Menge und Qualität – also das ‚Anlernen‘ der Systeme – mit manueller Intervention ist dabei entscheidend. „Je näher ein Unternehmen am Kunden ist, umso stärker ist es Fluktuationen unterworfen bzw. sind Analysen von externen Events abhängig, die entsprechend eingearbeitet werden müssen“, so Rauchstaedt.

Akute Handlungsfelder für CFOs bis Ende 2021

Auf die Frage, was im nächsten halben Jahr wichtig wird, nennt Rauchstaedt entsprechend der diskutierten Trends drei Handlungsfelder für CFOs: Zum einen gilt es, mit den regionalen Hub-Strukturen die Prozesse im Finanzwesen zu vereinfachen, zu beschleunigen und auf breitere Schultern zu verteilen.

Im Bereich der technologischen Transformation im Finanzwesen ist der wesentliche Erfolgsfaktor das Change Management. „Am Ende sind es immer Menschen, die entscheiden. Und die müssen für die strukturellen Veränderungen mit ins Boot geholt werden, nicht zuletzt mit Lösungen, die leicht erlernbar sind und die Umsetzung der zukünftigen Anforderungen vereinfachen“, ergänzt Rauchstaedt.

Dritter Aspekt für die kommenden Monate ist, zumindest innerhalb einer Systemkette die Automatisierung voranzutreiben. 

Abschließend erklärt Rauchstaedt: „Die Hub-Thematik ist enorm wichtig, ebenso, dass Unternehmen einen mündigen Sparringspartner brauchen anstelle nur eines Partners, der für die Qualität der Daten zuständig ist. Dies muss allerdings zuerst technologisch ermöglicht werden, zum anderen gilt es, sich auch personell in diese Richtung zu bewegen.“

Sehen Sie hier den CFO Talk vom Juni 2021 mit Alexander Rauchstaedt von Deloitte und Frank Mens, Director Financial Management bei Workday.

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