So lesen Sie Finanzberichte
Finanzielle Kompetenz zählt heute zu den zentralen Anforderungen an Führungskräfte – allen voran die Fähigkeit, Finanzberichte zu verstehen und wichtige Entscheidungen daraus abzuleiten.
Finanzielle Kompetenz zählt heute zu den zentralen Anforderungen an Führungskräfte – allen voran die Fähigkeit, Finanzberichte zu verstehen und wichtige Entscheidungen daraus abzuleiten.
In diesem Beitrag befassen wir uns mit folgenden Themen:
Die Führungskräfte eines jeden Unternehmensbereichs sollten in der Lage sein, Finanzstatus und finanzielle Performance zu analysieren. Finanzzahlen beeinflussen Entscheidungen zu Personaleinstellungen, Budgets, Investitionen und Abläufen. Darüber hinaus stellt ein solides Verständnis der Finanzberichte sicher, dass diese Entscheidungen auf fundierten Informationen basieren.
Finanzielle Kompetenz stärkt auch die Partnerschaft mit CFOs und Finanzteams, die zunehmend auf nicht-finanzielle Daten setzen, um Einblicke in die Performance zu erhalten und das Unternehmen als Ganzes zu unterstützen.
Loran Armstrong, Chief Operating Officer bei Rockwell Capital Group, erinnerte sich an die Zusammenarbeit mit einem Handelsunternehmen, das während der Feiertage mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen hatte. Eine Analyse der Finanzdaten ergab, dass die Bestandszahlen des Unternehmens zu hoch kalkuliert waren und einer zuverlässigen Umsatzprognose entbehrten.
„Wir haben das Finanzkonzept überarbeitet und ein präziseres Prognosemodell erstellt. Dadurch konnten wir die Einkaufsplanung besser an die tatsächliche Nachfrage anpassen“, so Armstrong. „Dadurch erreichten wir nicht nur eine Stabilisierung des Cashflows, sondern erzielten auch eine höhere Rentabilität während der Spitzenzeiten.“
Dank moderner Reporting-Tools ist es für Führungskräfte außerhalb der Finanzfunktion wesentlich einfacher geworden, auf Finanzdaten zuzugreifen und diese zu analysieren. Finanzberichte lesen zu können, ist daher längst nicht mehr nur für Finanzexperten wichtig – es ist eine Grundvoraussetzung für alle Führungskräfte im Unternehmen.
Finanzberichte dienen Führungskräften, Investoren, Kreditgebern und Abteilungsleitungen als Grundlage für wichtige Entscheidungen.
Finanzberichte sind formelle Aufzeichnungen, die den Finanzstatus und die finanzielle Performance eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum darstellen. Sie umfassen Dokumente wie Jahresberichte und SEC-Anmeldungen und unterstützen wichtige Entscheidungen:
Wenn Führungskräfte Finanzberichte im Detail verstehen, können sie die tägliche Performance im Kontext betrachten, statt auf bereits vorliegende Ergebnisse zu reagieren. Mittels Finanzreporting lassen sich operative Problempunkte sichtbar machen, Investitionen validieren und ungenutzte Wachstumschancen identifizieren.
Das Finanzreporting beruht auf zentralen Finanzaufstellungen, die zusammen ein Gesamtbild der Unternehmenssituation vermitteln: Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow-Rechnung. Jede Aufstellung beleuchtet ein anderes Element der Finanzaktivitäten – gemeinsam vermitteln sie einen fundierten, ganzheitlichen Überblick über die Finanzlage und Ausrichtung des Unternehmens.
Die Bilanz stellt Vermögen und Verbindlichkeiten eines Unternehmens stichtagsbezogen gegenüber und dokumentiert dessen Wert für die Eigentümer. Sie beantwortet eine einfache Frage: Ist das Unternehmen finanziell stark genug, um sicher operieren und investieren zu können?
Eine Bilanz umfasst drei Hauptkategorien:
Eine solide Bilanz signalisiert hohes Investitionspotenzial, Resilienz in herausfordernden Phasen und die Fähigkeit, neue Marktchancen wahrzunehmen. Dagegen schränkt eine angespannte Bilanz den Handlungsspielraum ein und erhöht zukünftige finanzielle Risiken, insbesondere bei Auftreten unerwarteter Belastungssituationen.
Praxistipp: Treffen eine hohe Verbindlichkeitsquote und geringe liquide Mittel zusammen oder zeigt sich eine hohe Konzentration immaterieller Vermögenswerte, sollten Sie aktuelle strategische Entscheidungen und zukünftige Verpflichtungen prüfen, um die Stabilität zu beurteilen.
Die Gewinn- und Verlustrechnung (auch Erfolgsrechnung genannt) zeigt die Performance des Unternehmens über einen definierten Zeitraum durch Erfassung der Einnahmen und Ausgaben. Sie macht sichtbar, wie effizient das Unternehmen Ertrag in Gewinn umwandelt und ob die Ergebnisse eine gesunde Nachfrage oder umsichtige Ausgaben widerspiegeln.
Wesentliche Komponenten der Gewinn- und Verlustrechnung:
Eine periodenbezogene Prüfung der Ergebnisse deckt Trends bei Margen, Preisdisziplin und Kostenkontrolle auf. Achten Sie auf einmalige Ereignisse oder unregelmäßige Gewinne und Verluste, die die tatsächliche Performance verschleiern können.
Praxistipp: Berücksichtigen Sie Änderungen bei den Betriebsausgaben, wenn es um Einstellungstempo und Produktivität geht. So gewährleisten Sie ein Wachstum, das an Kapazität und Kostenstruktur ausgerichtet ist.
Die Cashflow-Rechnung stellt dar, wie liquide Mittel über operative, Investitions- und Finanzierungstätigkeiten ins Unternehmen gelangen und abfließen. Sie beantwortet die Frage: Generiert das Unternehmen genügend Liquidität, um seine Geschäftstätigkeit zu finanzieren und den Verpflichtungen nachzukommen?
Wesentliche Komponenten der Cashflow-Rechnung:
Ein gesunder operativer Cashflow unterstützt Reinvestitionen und stärkt die Resilienz. Ein schwacher Cashflow kann auf Betriebskapitalengpässe, verspätete Einzüge oder eine zu starke Abhängigkeit von Fremdfinanzierung hindeuten.
Praxistipp: Wenn der Gewinn steigt, die liquiden Mittel jedoch abnehmen, sollten Sie sich Forderungen, Verbindlichkeiten und Bestände anschauen, um zu ermitteln, wo und warum diese Mittel gebunden sind.
In den Anhängen zum Finanzbericht finden Sie Kontextinformationen zu Performance-Treibern und den Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis, die in den eigentlichen Aufstellungen nicht enthalten sind.
Anhänge zu Finanzaufstellungen liefern zusätzliche Details und erläutern, welche Methoden und Annahmen bei der Erstellung der ausgewiesenen Ergebnisse zum Einsatz kommen. Sie verdeutlichen die Herleitung der Zahlen und stellen Informationen bereit, die sich den primären Aufstellungen nicht ohne Weiteres entnehmen lassen. Dieser Kontext umfasst Bilanzierungsverfahren, Schätzungen und externe Verpflichtungen, die sich auf die zukünftige Performance auswirken können.
Für Führungskräfte sind diese Kontextinformationen entscheidend. Zwei Unternehmen können vergleichbare Erträge und Gewinne in ihrer Bilanz ausweisen und dennoch grundlegend verschiedene Risikoprofile aufweisen – je nach angewendeten Bilanzierungsrichtlinien und eingegangenen Verpflichtungen. Mithilfe der Anhänge lässt sich echte Stärke von Wachstum abgrenzen, das sich lediglich auf optimistischen Annahmen oder temporären Faktoren stützt.
Anhänge bieten folgenden Kontext:
Bilanzierungsverfahren: Methoden zur Ertragsrealisierung und Asset-Bewertung sowie Hinweise zur bilanziellen Aktivierung von Kosten
Eventualverbindlichkeiten und Obligos: Rechtssachen und zukünftige Verpflichtungen
Goodwill und immaterielle Vermögenswerte: Mehrwert aus Übernahmen oder geistigem Eigentum
Außerbilanzielle Vereinbarungen: Leasingverträge oder Finanzierungsstrukturen, die nicht als Verbindlichkeiten erfasst werden
Ein Verständnis dieser Details hilft Führungskräften, Unsicherheiten zu erkennen und ihren Reportingansatz zu bestimmen (konservativ vs. dynamisch). Diese Perspektive fördert bessere Entscheidungen in Bezug auf die Performance-Qualität und zukünftige Risiken.
Finanzkennzahlen vergleichen die Zahlen in den Aufstellungen und decken dabei Muster auf, die andernfalls verborgen blieben. Anhand dieser Informationen können Führungskräfte feststellen, ob die Performance angemessen ist und ob Finanzentscheidungen das Unternehmen auf Dauer stärken oder schwächen.
Mit den folgenden gängigen Kennzahlen können Teams die zugrunde liegende Dynamik und den tatsächlichen Finanzstatus eines Unternehmens analysieren:
Die Liquidität gibt darüber Aufschluss, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit Vermögenswerten erfüllen kann, die sich zeitnah in liquide Mittel umwandeln lassen. Die Liquidität dritten Grades vergleicht die vorhandenen Ressourcen mit den fällig werdenden Rechnungen.
Formel: kurzfristiges Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten
Einflussfaktoren: Beschleunigte Einzüge, effizientere Bestandsverwaltung oder verlängerte Lieferantenzahlungsziele erhöhen die Liquidität dritten Grades. Verzögerte Einzüge, Bestandsaufbau oder kürzere Zahlungsfristen für Lieferanten verringern diese. Verluste, die liquide Mittel aufzehren, schwächen die Liquidität zusätzlich.
So interpretieren Sie die Kennzahl: Verfolgen Sie die Kennzahl über mehrere Perioden hinweg und vergleichen Sie sie mit anderen Unternehmen der gleichen Branche. Eine sehr niedrige Liquidität dritten Grades kann auf Zahlungsschwierigkeiten und mögliche Serviceunterbrechungen hindeuten. Eine überdurchschnittlich hohe Liquidität dritten Grades kann ein Zeichen für ungenutztes Betriebsvermögen sein, das entweder für Wachstumsstrategien eingesetzt oder an Investoren zurückgeführt werden könnte..
Die Zahlungsfähigkeit gibt Aufschluss darüber, wie ein Unternehmen seine Vermögenswerte finanziert und wie sich die finanzielle Belastung auf Eigentümer und Kreditgeber verteilt. Der Verschuldungsgrad dient als primäre Kennzahl, mit der die Solvenz anhand des Vergleichs der gesamten Fremdfinanzierung mit den Kapitaleinlagen der Aktionäre beurteilt wird.
Formel: Gesamtverschuldung ÷ Eigenkapital
Einflussfaktoren: Neuverschuldung erhöht den Verschuldungsgrad. Gewinnrücklagen und Eigenkapital verringern ihn. Verluste verringern das Eigenkapital und können den Verschuldungsgrad auch ohne zusätzliche Verschuldung in die Höhe treiben.
So interpretieren Sie die Kennzahl: Bewerten Sie die den Trend anhand der Ertragsstabilität und Mittelzuflüsse. Ein steigender Verschuldungsgrad bei gleichzeitig sinkender Liquidität belastet das Unternehmen und reduziert seinen finanziellen Spielraum. Ein stabiler oder sinkender Verschuldungsgrad in Verbindung mit steigenden Erträgen signalisiert eine stärkere Position und erhöhte Investitionskapazität.
Die Rentabilität gibt wieder, wie viel vom Ertrag als Gewinn übrig bleibt. Brutto- und Nettomarge sind die primären Kennzahlen. Die Bruttomarge zeigt, welcher Betrag abzüglich der direkten Produktions- und Lieferkosten verbleibt. Die Nettomarge gibt Aufschluss über die Differenz nach Abzug sämtlicher Ausgaben und Finanzierungsentscheidungen.
Formeln: Bruttomarge = Bruttogewinn ÷ Ertrag
Nettomarge = Nettoertrag ÷ Ertrag
Einflussfaktoren: Die Bruttomarge wird durch Preisgestaltung, Produktmix und Herstellungskosten beeinflusst. Die Nettomarge ergibt sich aus operativer Disziplin, Personal- und Vergütungsentscheidungen, Marketingstruktur, Zinsaufwendungen und Steuern.
So interpretieren Sie die Kennzahl: Verfolgen Sie den Trend und interpretieren Sie Veränderungen mithilfe der zugrunde liegenden Faktoren. Eine steigende Bruttomarge bei gleichbleibenden operativen Aufwendungen signalisiert eine höhere Rentabilität pro Einheit. Eine sinkende Nettomarge bei gleichbleibender Bruttomarge weist häufig auf wachsende Gemeinkosten oder gestiegene Finanzierungskosten hin.
Die Effizienz spiegelt wieder, wie effektiv ein Unternehmen seine Vermögenswerte zur Ertragsgenerierung einsetzt. Der Kapitalumschlag ist eine entscheidende Kennzahl zur Messung des Ertrags, den das Unternehmen mit einem bestimmten Betrag erwirtschaftet, den es in seine Vermögensbasis investiert.
Formel: Ertrag ÷ Gesamtvermögen
Einflussfaktoren: Kürzere Verkaufszyklen, höhere Auslastung oder die Veräußerung ungenutzter Vermögenswerte steigern den Kapitalumschlag. Umfangreiche bilanziell aktivierbare Projekte, Bestandsaufbau oder geringeres Volumen reduzieren diesen.
So interpretieren Sie die Kennzahl: Analysieren Sie den Kapitalumschlag gemeinsam mit den Margen, um das Geschäftsmodell zu verstehen. Selbst bei geringen Margen lassen sich durch einen hohen Kapitalumschlag gute Renditen erzielen – vorausgesetzt, die Kosten werden straff gemanagt. Bei einem geringen Kapitalumschlag sind höhere Margen nötig, um die Vermögensbasis zu rechtfertigen. Andernfalls könnte dies auf überschüssige Kapazitäten oder nicht ausgeschöpfte Investitionen hinweisen.
Finanzberichte sind besonders wertvoll, wenn daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet werden.
Finanzberichte sind dann am wertvollsten, wenn sie zu konkreten Maßnahmen führen. Eine strategische Prüfung schaut tiefer und geht der Frage nach, ob die aktuelle Performance ausreicht, um zukünftige Pläne zu unterstützen, Risiken zu managen und die benötigten Kompetenzen für zukünftige Aufgaben zu entwickeln.
Diese Perspektive verknüpft die verschiedenen Aufstellungen, um das zugrunde liegende Potenzial zu analysieren. Steigende Erträge und ein gleichzeitiger Rückgang der operativen Mittel kann auf verzögerte Einzüge oder die Nachfrage übersteigende Ausgaben hindeuten. Eine Zunahme der immateriellen Vermögenswerte bei gleichbleibendem Erlös können ein Zeichen dafür sein, dass Investitionen zusätzliche personelle Unterstützung oder eine entsprechende operative Ausrichtung erfordern.
Stellen Sie sich aus dieser Perspektive folgende Fragen:
Sind die Muster bei allen Aufstellungen konsistent, oder hängen sie vom Zeitpunkt oder von der Auslastung des Betriebskapitals ab?
Weisen die Anhänge auf veränderte Risiken oder einen Wechsel bei der buchalterischen Behandlung hin, die Planungs- oder Ressourcenänderungen erfordern?
Welche Positionen fallen direkt in Ihren Zuständigkeitsbereich, wie beispielsweise Einstellung, Vergütung, Technologie, Lieferantenkosten oder Produktivität?
Entwickelt sich das Betriebsmodell schneller als Kompetenzen, Prozesse oder Strukturen?
Verknüpfen Sie jede Aufstellung mit relevanten Kennzahlen für Ihre Funktion und leiten Sie daraus Entscheidungen ab. Reporting wird so zu einem Instrument für Planung und operative Disziplin. Nach und nach verwandeln sich die Finanzaufstellungen von formalen Dokumenten in beständige Orientierungspunkte, die Einblick geben, wie das Unternehmen funktioniert und welche Chancen sich für die Zukunft bieten.
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