Ausblick: 8 Trends mit Auswirkungen auf die Finanzfunktion

Rakesh Duggal, Senior Manager bei Deloitte, und Annette Melatti, Senior Director bei Workday, Solution Marketing für die Finanzfunktion, sprachen über Zukunftstrends im Finanzwesen und deren Einbindung in die tägliche Arbeit von Finanzführungskräften.

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In den vergangenen 18 Monaten hat sich die Finanzfunktion grundlegend verändert – eine Entwicklung, die durch die weltweite Pandemie verstärkt wurde. In einem aktuellen Webinar untersuchte Rakesh Duggal, Senior Manager bei Deloitte, zusammen mit Annette Melatti, Senior Director bei Workday, Solution Marketing für die Finanzfunktion, welche Zukunftstrends im Finanzwesen sich in den kommenden fünf Jahren durchsetzen werden.

In diesem Artikel bittet Annette Melatti Rakesh Duggal, diese Trends genauer unter die Lupe zu nehmen und zu erläutern, wie Finanzführungskräfte diese in ihre tägliche Arbeit einbeziehen können.

Während des Webinars sind Sie auf einige Themen eingegangen, die CFOs Kopfzerbrechen bereiten. Wie groß sind diese Herausforderungen?

Unsere Studie „Finance 2025: Digital Transformation in Finance“ hat deutlich gezeigt, wie die Pandemie die Entwicklung in acht Bereichen beschleunigte, die das Finanzwesen neu definieren. CFOs beschäftigen sich ausgiebig mit der Frage, wie sie ihre Partnerschaft mit dem Unternehmen gestalten und derzeitige Arbeitsabläufe verändern können, um den Mehrwert zu steigern. Innerhalb der Finanzorganisationen versuchen sie, die von ihnen eingesetzte Technologie ohne hohe Verschuldung zu modernisieren und skalierbare, anpassungsfähige Prozesse zu entwickeln, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind.

Können Sie uns einige der Trends in der Deloitte-Studie „Finance 2025“ nennen und erklären, wie CFOs diese heute umsetzen?

Ich halte es für wichtig, diese Trends aufzuschlüsseln. An erster Stelle steht die Weiterentwicklung der „Finance Factory“. Kontaktlose Transaktionen werden sich durchsetzen, da Finanzprozesse zunehmend automatisiert werden. Das bedeutet, dass Übergaben aus den Transaktionsprozessen verschwinden werden. Manuelle Aufgaben, die mit den Transaktionen zwischen Finanzsilos einhergehen, werden nach und nach wegfallen. Wir befinden uns sozusagen auf dem Weg zu nahtlosen Finanzprozessen.

Als Nächstes müssen wir die Rolle des Finanzwesens betrachten. Durch die weitgehende Automatisierung von Transaktionen werden geschäftliche Erkenntnisse und Service verstärkt in den Vordergrund rücken. Die Kompetenzen müssen sich ändern. Analytische Erkenntnisse auf Basis von Daten werden immer stärker gefragt sein. Neue Allianzen zwischen Mensch und Maschine werden am Arbeitsplatz fest etabliert.

Der dritte Bereich ist der Finanzzyklus. Das Finanzwesen wird in Echtzeit operieren und die periodische Berichterstattung sowie Kennzahlen wie Umsatz, Ausgaben, Cashflow und Bestandsverwaltung werden auf kontinuierlicher Basis erfasst. Betriebsabläufe und Entscheidungen werden auf Echtzeit-Analysen basieren und nicht mehr auf der periodischen Berichterstattung – obwohl viele einwenden werden, dass Entscheidungen de facto nicht anhand von Daten aus zurückliegenden Perioden, sondern anhand von „offline“ erstellten zwischenperiodischen Updates der Finanzteams getroffen wurden.

Selfservice befindet sich ebenfalls unter den acht Trends in der Deloitte-Studie „Finance 2025“. Was bedeutet dies für das Finanzwesen?

Das ist richtig. Der vierte Bereich ist Selfservice. Dieser wird sich als Norm etablieren, vor allem angesichts der zunehmenden Verbreitung von digitalen Tools. Vielen Finanzfunktionen hat dieses Thema seit jeher Kopfzerbrechen bereitet, insbesondere wegen der Sicherheitsmodelle, die für die plattformübergreifende Arbeit notwendig sein werden. Doch von den Anwendern wird in Zukunft mehr Eigeninitiative verlangt werden.

An fünfter Stelle kommen die Betriebsmodelle für das Finanzwesen. Durch die zunehmende Automatisierung und Diversifizierung der Finanzarbeitskräfte werden neue Bereitstellungsmodelle entstehen. Diese Diversifizierung erfordert die Integration von freien Mitarbeitern, Freiberuflern, Crowdsourcing. Unternehmen werden die Vorteile der Automatisierung gegen die Arbeit in Onshore- und Offshore-Betrieben abwägen. Insgesamt betrachtet wird das Finanzwesen erheblich mehr als bisher auf kollaborative Arbeitsmodelle zurückgreifen müssen.

„Entscheidend für den Finanzsektor ist die Anforderung, agiler zu werden und Daten als Währung zu nutzen, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.“

Rakesh Duggal Senior Manager Deloitte

Ist es richtig, dass die drei zuletzt genannten Trends vor allem für die zukünftige Entwicklung des Finanzsektors wichtig sind?

Im Grunde bestehen diese Trends schon eine Weile. Aber ich denke, dass sie in den letzten paar Jahren erneut an Bedeutung gewonnen haben und das auch in Zukunft so sein wird. 

An sechster Stelle der Trendliste liegt die Unternehmensressourcenplanung (ERP). Wir werden beobachten, dass Finanzanwendungen und Microservices die großen, monolithischen ERP-Anwendungen herausfordern werden. ERP-Anwendungen werden sich nicht nur auf Transaktionsaufzeichnungen beschränken, sondern auch Analysen und Erkenntnisse einbeziehen, um ihre Entwicklung zu unterstützen. Das Finanzwesen wird durch moderne Anwendungen unterstützt, die eine schnellere Entscheidungsfindung durch Echtzeit-Analysen ermöglichen.

Der nächste Schwerpunktbereich sind Daten. Das Finanzwesen wird präzisere Daten liefern müssen, und zwar schneller denn je. Data Governance wird dabei eine herausragende Rolle spielen. Dafür wird tatsächlich nicht genügend getan. Unternehmen sollten sich die Mühe machen, Ordnung in ihre Datenbestände zu bringen, sodass sie von allen Teams gemeinsam genutzt werden können. Dies steigert die Wertschöpfung, zumal diese Datensätze exponentiell ansteigen.

Der letzte Trend wird meines Erachtens am wichtigsten sein: der Umgang der Unternehmen mit ihrem Personal und Arbeitsumfeld. Die Mitarbeiter werden sich auf ganz unterschiedliche Weise neuen Aufgaben widmen. Es wird vor allem darauf ankommen, die Kundenservice-Mentalität der Mitarbeiter durch Schulungen zu fördern. Dazu werden insbesondere Argumentationstalente und nicht nur rechnerische Fähigkeiten gefragt sein. Das Finanzwesen wird sich anpassen müssen oder Gefahr laufen, an Einfluss zu verlieren. All das muss mit einem geografisch flexiblen Modell geschehen, sodass auch Mitarbeiter im Homeoffice einbezogen werden.

Die Digitalisierung steht klar im Mittelpunkt dieses Wandels. Aber wie wirkt sie sich auf traditionelle Problembereiche wie operatives Finanzmanagement aus, die bisher den größten Teil der Ressourcen gebunden haben?

Die Digitalisierung ist die treibende Kraft hinter diesen Trends. Geschäftsprozesse werden als Kombination aus menschlicher Interaktion und Technologie ausgeführt, mit einem breiten und stärkeren Zugang zu unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten. Entscheidend für den Finanzsektor ist die Anforderung, agiler zu werden und Daten als Währung zu nutzen, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. 

Ermöglicht wird diese Entwicklung durch transformative Technologie, die bewirkt, dass das Finanzwesen im gesamten Finanzspektrum bedeutende Chancen nutzen kann. Im Bereich der betrieblichen Finanzen sind dies drei Chancen – allen voran die Einführung der kontaktlosen Transaktionsverarbeitung.

Schätzungsweise 90 % der Transaktionen werden automatisiert, und Routineaufgaben wie Datensuche und -validierung werden durch Finanzbots oder digitale Aktivitäten erledigt. 

Der zweite Bereich ist die Verfügbarkeit von Echtzeit-Daten. Arbeits- und zeitintensive Abschlüsse, wie sie uns derzeit bekannt sind, werden der Vergangenheit angehören. Sie werden durch hochpräzise Finanzdaten abgelöst, auf die Führungskräfte und Manager rund um die Uhr zugreifen können. 

Der dritte Bereich betrifft Möglichkeiten zur Zentralisierung. Parallel zu all diesen Entwicklungen werden Ressourcen zu physikalischen und virtuellen Befehlszentralen oder in Finance Factorys verlagert, wie bereits zuvor erwähnt. Der Bedarf an operativen Kompetenzen wird sich dadurch verringern, während Strategie- und Technologiekenntnisse immer stärker gefragt sein werden.

Wird dieser Grad an Automatisierung und zunehmender Effizienz zu einer strategischeren Ausrichtung der Finanzfunktion und engeren Zusammenarbeit mit wichtigen Stakeholdern führen?

Davon gehe ich aus, ja. Im Bereich der Unternehmensfinanzierung, insbesondere bei Qualität oder Analyse, eröffnen sich enorme Möglichkeiten. Die Stichwörter sind hier prädiktiv, erkenntnisreich und integriert. 

Prädiktiv bedeutet, dass sich der Schwerpunkt vom Reporting über zurückliegende Perioden auf die Vorausschau in die Zukunft verlagern wird. Dabei wird das Finanzwesen auf proaktive Weise Möglichkeiten identifizieren, um die Performance zu verbessern und dabei das Unternehmen stärker einzubinden. 

Mit erkenntnisreich meinen wir die Tatsache, dass Automatisierung und Selfservice-Reporting Kapazitäten freisetzen, um Erkenntnisse zu generieren. Und das Finanzwesen wird verstärkt auf Visualisierung und Storytelling zurückgreifen, um Finanzdaten für Geschäftsanwender leichter verständlich und anwenderfreundlicher zu gestalten. 

Mit integriert meinen wir die besseren Verknüpfungen zwischen dem Finanzwesen und der betrieblichen Planung und Analyse. Und die Selfservice-Funktion wird den Datenzugriff für Geschäftsanwender verbessern.

Schließlich wird es durch eine spezialisierte Finanzfunktion besser gelingen, die Effizienz zu steigern und weitere Fähigkeiten hinzuzufügen. Durch Automatisierung lassen sich Effizienzsteigerungen erzielen und Präzision und Tempo von Routineaufgaben erhöhen, zum Beispiel Routinen für Steuerreporting, sowie die Einführung von Blockchain im gesamten Ökosystem, um Verarbeitungszeit und Kosten zu senken und möglicherweise sogar ganze Prozesse zu eliminieren. Spezialisierte Finanzfunktionen werden strategischer ausgerichtet sein, wobei eine Verlagerung von transaktionsbezogenen Routineaufgaben zu hochwertigen Bereichen wie Steuerstrategie, Treasury und Planung von Risikoszenarien, einschließlich prädiktiver Analysen, stattfinden wird. Flankiert wird dies letztlich auch durch neue Funktionen wie automatisierte Kontrollen und prädiktive Absicherungsstrategien, die die Fähigkeit verbessern werden, auf Ereignisse zu reagieren und Vermögenswerte zu sichern.

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