Was Ihre Belegschaft braucht: Unterstützung für betreuende Angehörige im Jahr 2021

Die Pandemie hat dazu geführt, dass viele Mitarbeiter Online-Meetings mit ihrer Rolle als betreuende Angehörige vereinbaren mussten. Bieten Unternehmen die Unterstützung, die pflegende Angehörige brauchen? Ein aktueller globaler Bericht zeigt, wie sich die Erwartungen der Mitarbeiter entwickelt haben.

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Als im Zuge der Corona-Lockdowns Kinderbetreuungen, Arbeitsplätze und Schulen geschlossen werden mussten, bedeutete dies auch einen Umbruch für das Leben der Betreuungspersonen und ihrer Unterstützungssysteme. Für einige Mitarbeiter bedeutete die Pandemie, dass sie Online-Meetings mit dem Home-Schooling ihrer Kinder vereinbaren mussten. Viele von ihnen mussten dann noch quer durch die Stadt fahren, um sich um Eltern, Familienmitglieder oder Freunde in Not zu kümmern.

Die Pandemie verstärkte bestehende Spannungen. Bei vielen vermischten sich persönliche und berufliche Grenzen wie nie zuvor. Fast schon am Rande des Burnouts benötigten manche Menschen eine bessere oder zumindest andere Unterstützung durch ihre Arbeitgeber. Aber haben pflegende und betreuende Angehörige letztlich das bekommen, was sie brauchten?

Das ist eine der zentralen Fragen, die im „Employee Expectations Report 2021“ von Peakon, einer Tochtergesellschaft von Workday, beantwortet werden. Um Erkenntnisse aus dem Bericht zu gewinnen, analysierte Peakon mehr als 30 Millionen Mitarbeiterkommentare aus 160 Ländern. Das Ergebnis bietet einzigartige Einblicke in deren Meinungen und zeigt, wie sich die Erwartungen im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Mehr Unterstützung für Betreuende – durch flexible Arbeitsvereinbarungen

Flexibles Arbeiten ist eines der zentralen Themen, die durch die Pandemie in den Fokus gerückt sind. Laut dem Bericht stieg der Anteil der Mitarbeiterkommentare, die sich auf flexibles Arbeiten beziehen, im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 125 %.

Diese Kommentare berührten viele Themen, aber was sowohl für Frauen als auch für Männer deutlich hervorstach, war die Zunahme an Betreuungsaufgaben. Die Pandemie und viele landesweite Lockdowns verursachten einen deutlichen Anstieg an Gesprächen über Kinderbetreuung, Elternsein oder die Unterstützung anderer Familienmitglieder.

Betreuung und Pflege werden jedoch immer noch von einer unsichtbaren Armee geleistet. Für viele Menschen sind Betreuung und Pflege freiwillige Aufgaben, die sie aufgrund von familiären Bindungen auf sich nehmen. Diese Arbeit ist typischerweise unbezahlt und muss zusätzlich zu all den anderen Anforderungen ausgeübt werden, die das Leben an sie stellt. Kurz gesagt, Betreuende und Pflegende sind die unsichtbaren Helden und Heldinnen unseres Alltags.

Die Arbeitgeber müssen diese zusätzliche Verantwortung und den Druck berücksichtigen, der durch die Pflege und Betreuung von Angehörigen auf ihre Mitarbeiter entsteht. Die Forderung nach flexibler Arbeit hat nicht mit der Pandemie begonnen und wird auch nicht mit ihr enden. Konzepte für flexibles Arbeiten, die vor Corona entwickelt wurden, sind möglicherweise nicht mehr ausreichend. 

Flexibles Arbeiten umfasst mehr, als Homeoffice zu erlauben. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Autonomie und gegenseitiges Vertrauen möglich sind.

Der Trend zum flexiblen Arbeiten ist nichts Neues

Einige Unternehmen mögen den Druck des vergangenen Jahres als Anomalie betrachten. Der Trend zum flexiblen Arbeiten wurde jedoch unter den Personalverantwortlichen bereits vorher als Anreiz gesehen, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, die mehr Freiheit und Selbstbestimmung bei ihrer Arbeitsgestaltung schätzen.

Sogar im Jahr 2019 hatten die Mitarbeiterkommentare bei Peakon mit Begriffen rund um flexibles Arbeiten um 18 % zugenommen, wobei Begriffe wie „Homeoffice“ und „flexible Arbeitszeiten“ deutlich häufiger vorkamen. Die jüngeren Generationen waren führend – mit einem zwei- bis dreimal so hohen Anstieg an Kommentaren zu flexiblen Arbeitszeiten wie andere Generationen.

Warum ist das wichtig? Nach Angaben der AARP sind 48 % der pflegenden und betreuenden Angehörigen zwischen 18 und 49 Jahre alt. Dies verdeutlicht, dass sich die Anforderungen der Pflege und Betreuung auf jede Generation auswirken und flexibles Arbeiten in immer stärkerem Umfang erwartet wird. Der Grund: Die Generation Z und die Millennials machen einen immer höheren Anteil an der arbeitenden Bevölkerung aus.

 „Viele Menschen haben die Vorteile des Homeoffice erkannt. Sie verbringen weniger Zeit mit Pendeln, haben mehr Zeit für ihre Arbeit und mehr Autonomie bezüglich ihrer Arbeitszeiten.“ 

Rick Kershaw Senior HR Director Peakon, eine Tochtergesellschaft von Workday

An der Grenze der Belastbarkeit?

In der Umfrage von Peakon zur Arbeitsbelastung treffen wir folgende Aussage (eine von vielen Aussagen, mit denen Unternehmen das Engagement ihrer Mitarbeiter messen können): „Mein Arbeitspensum ist bewältigbar“. Die Befragten können dann ihre Zustimmung auf einer Skala von 0 bis 10 ausdrücken. Damit soll überprüft werden, ob die Mitarbeiter das Gefühl haben, die Menge der Arbeit, für die sie verantwortlich sind, sei angemessen. 

Der „Employee Expectations Report 2021“ fand heraus, dass die größere Autonomie im Homeoffice die Gesamtpunktzahl der Arbeitsbelastung von einem Jahr zum anderen zwar verbessert hat, dass aber vor allem Frauen einen zusätzlichen Druck durch Betreuungsaufgaben verspüren. 

Meistens, wenn auch sicher nicht immer, sind es die Frauen, die mehr Zeit für die Betreuung von Kindern, älteren, kranken oder behinderten Angehörigen und Freunden aufwenden. Weltweit wenden Frauen bis zu zehn Mal mehr Stunden für unbezahlte Betreuungsarbeit auf als Männer. Und laut dem Institute on Aging sind mehr als 75 % aller pflegenden Angehörigen weiblich.

Laut Bericht ist die Punktzahl bei der Arbeitsbelastung im Laufe des Jahres bei den Menschen, die Betreuungsaufgaben wahrnehmen, allmählich gesunken. Frauen verspürten die Auswirkungen stärker als Männer (siehe Grafik „Arbeitsbelastung“) und die Kluft zwischen den beiden Geschlechtern hat sich vergrößert. Die Quintessenz ist, dass Frauen jetzt weniger das Gefühl haben, ihre Arbeitsbelastung sei bewältigbar. 

Die negativen Auswirkungen waren signifikant. In einer von Peakon in Auftrag gegebenen Umfrage Ende letzten Jahres gaben 34 % der Frauen an, dass sie sich „am Rande des Burnouts“ fühlen. Und ohne angemessene Unterstützung sind pflegende Frauen oft auf sich allein gestellt.

Wie kann der Arbeitgeber betreuende und pflegende Angehörige unterstützen? Es beginnt mit flexibler Arbeit 

Arbeitgeber können diese Herausforderung mit Einfühlungsvermögen und pflegefreundlichen Richtlinien angehen. Dies bedeutet flexible Arbeitszeiten statt eines typischen Arbeitstags, komprimierte Arbeitswochen und kürzere Tage für Menschen, die mehrere Familienmitglieder unterstützen müssen. Maßnahmen wie diese reduzieren Burnout-Symptome nachweislich und verbessern außerdem die Produktivität.

Der Schlüssel für Manager und Arbeitgeber lautet: Konzentrieren Sie sich auf Ergebnisse, nicht auf Stunden. Längere Arbeitszeiten machen die Menschen nicht unbedingt produktiver. Unternehmen müssen effektive Wege finden, um zu messen, wie einzelne Mitarbeiter zu den Unternehmenszielen beitragen. Außerdem müssen sie Manager hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Richtlinien umzusetzen und den Erfolg ihrer Teams zu bestimmen, schulen und beurteilen.

Arbeitgeber sollten beim flexiblen Arbeiten einen integrativen Ansatz verfolgen, der die gesamte Belegschaft wertschätzt und für alle funktioniert. Die Flexibilisierung des Arbeitsorts (z. B. Remote-Arbeit) mag vielleicht nicht für alle Jobs und Branchen funktionieren. Dennoch können alle Jobs auf irgendeine Weise flexibel gestaltet werden, beispielsweise wann und was gearbeitet wird, wie die Arbeit erledigt wird oder wer die Arbeit erledigt. 

Der Schlüssel für Manager und Arbeitgeber lautet: Konzentrieren Sie sich auf Ergebnisse, nicht auf Stunden. Längere Arbeitszeiten machen die Menschen nicht unbedingt produktiver.

Und schließlich müssen die Unternehmen ihren Mitarbeitern besser zuhören, damit deren Stimme Teil des strategischen Entscheidungsprozesses wird. Dieses Zuhören muss kontinuierlich erfolgen, um zu verstehen, was die Mitarbeiter wirklich wollen und brauchen – nicht nur einmal im Jahr oder Quartal. Nur dann kann entschlossen gehandelt und auf die sich ändernden Bedürfnisse der Belegschaft eingegangen werden. Eine solche Vorgehensweise sorgt für kontinuierliche positive Veränderungen, die wiederum zum zukünftigen Geschäftserfolg beitragen. 

Flexibles Arbeiten umfasst mehr, als Homeoffice zu erlauben. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Autonomie und gegenseitiges Vertrauen möglich sind. Unternehmen müssen heute mehr denn je auf die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen achten, auf deren Feedback hören und proaktiv nach praktikablen Lösungen suchen. 

„Der Erfolg des hybriden Arbeitsmodells ist darauf zurückzuführen, dass in der Welt nach der Pandemie viele Menschen wieder im Büro arbeiten möchten – allerdings nicht die ganze Zeit“, erklärt Rick Kershaw, Senior HR Director bei Peakon, einer Tochtergesellschaft von Workday, in einem Artikel über hybrides Arbeiten im vergangenen Jahr. „Im Lockdown haben viele Menschen die Vorteile des Homeoffice erkannt. Sie verbringen weniger Zeit mit Pendeln, haben mehr Zeit für ihre Arbeit und mehr Autonomie bezüglich ihrer Arbeitszeiten.“

Schließlich wollen wir flexibler bestimmen können, was für unser Leben insgesamt am besten ist. Und unser Arbeitsleben ist nur ein Teil davon. Das kann bedeuten, dass wir die richtige Work-Life-Balance finden müssen, mit der wir unsere Familien und Freunde, die uns brauchen, am besten unterstützen können.

Bei der Zukunft der Arbeit geht es darum, Ihre Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen und überall zu unterstützen – im Büro, zu Hause und an jedem anderen Ort.

Um mehr zu erfahren, lesen Sie den „Employee Expectations Report 2021“.

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